PV-Angebote vergleichen

PV-Angebot prüfen: Welche Werte wirklich vergleichbar sein sollten

Am Ende eines PV-Angebots stehen Anlagengröße, Preis und häufig eine Amortisationszeit. Welche Annahmen zu Verbrauch, Speicher und Wirtschaftlichkeit dahinterstehen, bleibt jedoch nicht immer sofort erkennbar.

Wer zwei oder drei Angebote für eine Photovoltaikanlage nebeneinanderlegt, stellt oft fest, dass die vorgeschlagenen Anlagen- und Speichergrößen deutlich voneinander abweichen. Das muss kein Zeichen für unseriöse Arbeit sein. Es zeigt aber, dass Angebote nicht automatisch vergleichbar sind, nur weil sie dieselbe Adresse betreffen.

Dieser Artikel zeigt, welche Werte in einem PV-Angebot enthalten sein sollten, wo sich häufig Annahmen verbergen und wie Sie ein Angebot mit einer unabhängigen zweiten Einschätzung gegenprüfen können, bevor Sie unterschreiben.

Warum zwei PV-Angebote zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können

Installateure arbeiten mit ihrer eigenen Erfahrung, ihrem Produktportfolio und teilweise mit Faustregeln zur Dimensionierung. Das ist nicht grundsätzlich falsch: Ein erfahrener Fachbetrieb kennt Dachdetails, lokale Gegebenheiten und die verfügbaren Produkte. Gleichzeitig verfolgt ein Angebot naturgemäß ein konkretes Produktinteresse und soll zu einem Vertrag über die angebotenen Komponenten führen.

Unterschiedliche Empfehlungen entstehen typischerweise durch:

  • abweichende Annahmen zum zukünftigen Verbrauch, etwa mit oder ohne Wärmepumpe und Elektroauto,
  • unterschiedliche Speicher-Faustregeln, beispielsweise eine Kilowattstunde Speicher je Kilowatt-Peak PV-Leistung,
  • unterschiedliche Ziele wie hohe Autarkie, kurze statische Amortisation oder eine ausgewogene Eigennutzung,
  • abweichende Annahmen zu Strompreis, Einspeisevergütung und Betrachtungszeitraum sowie
  • eine unterschiedliche Berücksichtigung verfügbarer Dachflächen und möglicher Verschattung.

Keiner dieser Punkte macht ein Angebot automatisch falsch. Ohne die zugrunde liegenden Annahmen lässt sich eine einzelne Angabe wie „10 kWp PV-Leistung mit 10 kWh Speicher“ aber nicht sinnvoll mit einer anderen Empfehlung vergleichen.

Welche Werte in einem PV-Angebot stehen sollten

1. Zugrunde gelegter Jahresstromverbrauch

Neben der Verbrauchsmenge in Kilowattstunden sollte erkennbar sein, ob eine geplante Wärmepumpe, ein Elektroauto oder andere zusätzliche Verbraucher bereits enthalten sind. Ein Angebot auf Basis des heutigen Verbrauchs kann zwangsläufig zu einer anderen Größe kommen als eine Planung für den erwarteten Gesamtverbrauch.

2. Verwendete Dachflächen, Ausrichtung und Neigung

Welche Flächen wurden einbezogen? Wurden Ost-, West- oder Nordflächen geprüft oder ausschließlich die Südseite? Außerdem sollte geklärt werden, ob und wie Verschattung berücksichtigt wurde.

3. Optimierungsziel

Zielt das Angebot auf möglichst hohe Autarkie, die kürzeste statische Amortisationszeit oder eine Balance aus Wirtschaftlichkeit und Eigennutzung? Ohne genanntes Ziel lässt sich eine vorgeschlagene Größe nur schwer einordnen. Eine autarkieorientierte Konfiguration fällt häufig größer aus als eine auf schnelle Amortisation ausgerichtete Lösung.

4. Investitionskosten und Leistungsumfang

Sind Module, Speicher, Wechselrichter, Planung, Montage, Elektroinstallation, Gerüst, Netzanschluss und Anmeldung enthalten? Ein niedrigerer Angebotspreis kann einen geringeren Leistungsumfang bedeuten. Deshalb sollten nur Angebote mit vergleichbarem Umfang direkt gegenübergestellt werden.

5. Herleitung der Amortisationszeit

Welcher Strompreis und welche Einspeisevergütung wurden angesetzt? Sind konstante oder steigende Preise unterstellt? Wurden Wartung, Finanzierung, Alterung oder Ersatzinvestitionen berücksichtigt? Eine Amortisationszeit ohne diese Annahmen ist eine Zahl ohne ausreichenden Kontext.

6. Referenzfall ohne Anlage oder Erweiterung

Wie hoch wären die Stromkosten ohne die vorgeschlagene Maßnahme? Erst der Vergleich mit einem klar benannten Referenzfall macht den jährlichen finanziellen Vorteil nachvollziehbar, aus dem eine Amortisationszeit abgeleitet wird.

7. Begründung der Speichergröße

Warum wurde genau diese nutzbare Kapazität gewählt? Eine Faustregel wie „1 kWh Speicher je kWp“ ersetzt keine Begründung anhand des tatsächlichen Lastprofils. Wichtig sind außerdem Lade- und Entladeleistung, Wirkungsgrad und die Abgrenzung zwischen Brutto- und nutzbarer Kapazität.

Checkliste für den Vergleich mehrerer Angebote

Übertragen Sie die wichtigsten Angaben jedes Angebots in dieselbe Tabelle. Leere Felder zeigen unmittelbar, welche Fragen noch mit dem jeweiligen Fachbetrieb geklärt werden sollten.

PrüfpunktAngebot AAngebot BAngebot C
PV-Leistung und Modulanzahl
Nutzbare Speicherkapazität
Angenommener Jahresverbrauch
Wärmepumpe/E-Auto berücksichtigt
Verwendete Dachflächen
Optimierungsziel
Gesamtpreis inklusive Installation
Strompreis und Einspeisevergütung
Amortisationszeit und Herleitung

Eine fehlende Angabe ist kein Grund für generelle Skepsis gegenüber dem Fachbetrieb, aber ein guter Anlass, gezielt nachzufragen. Ein nachvollziehbares Angebot sollte seine wesentlichen Annahmen benennen können.

Wie eine unabhängige Analyse als zweite Perspektive helfen kann

perfectPV ersetzt weder ein konkretes Angebot noch die Vor-Ort-Planung durch einen Fachbetrieb. Die individuelle, modellbasierte Analyse kann jedoch eine unabhängige zweite Perspektive liefern: Sie geben Ihren tatsächlichen oder erwarteten Jahresverbrauch, Ihre Dachflächen, Ihren Standort und Ihr persönliches Ziel ein. Dafür können eigene Messdaten oder ein aus Ihren Angaben erzeugtes Verbrauchsprofil verwendet werden.

Die KI-gestützte Optimierung vergleicht tausende Anlagenkonfigurationen über ein vollständiges Jahr im 15-Minuten-Takt. Der Ergebnisbericht enthält eine modellbasierte Empfehlung, alternative Konfigurationen und eine statische Amortisationsrechnung mit den verwendeten Annahmen.

Da perfectPV weder PV-Anlagen noch Speicher verkauft, ist die Analyse nicht an das Produktportfolio eines Installateurs gebunden. Das Ergebnis kann die vorgeschlagene Größe eines Angebots plausibilisieren oder zeigen, dass ein anderes Optimierungsziel zu einer abweichenden Konfiguration führen würde.

Wichtig: Auch die perfectPV-Analyse ist eine modellbasierte Prognose und keine Garantie oder technische Ersatzplanung. Machbarkeit, Dachzustand, Statik, Verschattung, Elektroinstallation und Netzanschluss müssen weiterhin durch qualifizierte Fachbetriebe geprüft werden.

Häufige Fragen zum Prüfen eines PV-Angebots

Bedeutet ein günstigeres Angebot automatisch eine schlechtere Anlage?

Nein. Häufig unterscheiden sich der enthaltene Leistungsumfang oder die angesetzte Anlagengröße. Ein reiner Preisvergleich ohne gleiche Grundlage ist daher wenig aussagekräftig.

Sollte ich immer das Angebot mit der höchsten Autarkie wählen?

Nein. Eine hohe Autarkie ist nicht automatisch die wirtschaftlich beste Lösung. Welches Ziel passt, hängt von Ihren Prioritäten und Ihrem Budget ab.

Kann ich eine unabhängige Analyse nach der Unterschrift nutzen?

Grundsätzlich ja, etwa zur Einordnung. Den größten Nutzen bietet eine zweite Perspektive vor der Entscheidung, solange ihre Ergebnisse noch in das Gespräch mit dem Fachbetrieb einfließen können.

Ersetzt perfectPV das Angebot eines Installateurs?

Nein. perfectPV liefert eine unabhängige Orientierung zur Dimensionierung. Verbindliche technische Planung, Angebot und Ausführung bleiben Aufgabe eines qualifizierten Fachbetriebs.