Kennzahlen verstehen
Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad: der Unterschied einfach erklärt
Beide Kennzahlen werden in Angeboten und Beratungsgesprächen häufig genannt – und ebenso häufig verwechselt. Dabei beantworten sie zwei ganz unterschiedliche Fragen.
Zwei Kennzahlen, zwei verschiedene Fragen
Eigenverbrauchsquote: Wie viel von dem Strom, den meine PV-Anlage erzeugt, nutze ich selbst? Autarkiegrad: Wie viel von dem Strom, den mein Haushalt verbraucht, stammt aus der eigenen Anlage? Die Eigenverbrauchsquote blickt auf die Erzeugung, der Autarkiegrad auf den Verbrauch. Genau deshalb können sie sich sehr unterschiedlich entwickeln, obwohl sie dieselbe Anlage beschreiben.
Warum die beiden Kennzahlen gegeneinander laufen können
Eine bewusst klein dimensionierte PV-Anlage erzeugt wenig Überschuss – fast alles wird direkt verbraucht, die Eigenverbrauchsquote ist hoch. Gleichzeitig deckt sie aber nur einen geringen Teil des Gesamtverbrauchs, der Autarkiegrad bleibt niedrig. Eine großzügig dimensionierte Anlage mit großem Speicher kann dagegen einen erheblichen Teil des Verbrauchs decken – der Autarkiegrad steigt, während an sonnigen Tagen mehr Strom eingespeist wird und die Eigenverbrauchsquote sinkt.
Welche Rolle der Batteriespeicher spielt
Ein Speicher verschiebt den Mittagsüberschuss in den Abend und die Nacht. Dadurch steigt die Eigenverbrauchsquote und zugleich der Autarkiegrad – allerdings nur, wenn regelmäßig genug Überschuss zum Laden und genug späterer Verbrauch zum Entladen vorhanden ist. Hinzu kommen physikalische Lade- und Entladeverluste.
Ein Beispiel aus vier Musteranalysen
Wie stark sich die Zielwahl auf die Empfehlung auswirkt, zeigt derselbe Beispielhaushalt (5.500 kWh Jahresverbrauch) über alle vier vollständigen Musteranalysen: mit demselben Verbrauch und Standort führt jedes Ziel zu einer deutlich anderen Anlagenkonfiguration mit jeweils anderem Verhältnis von Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad.
| Optimierungsziel | PV-Anlage | Speicher | Autarkie | Investition |
|---|---|---|---|---|
| Ausgewogene Gesamtlösung | 3,15 kWp | 7,5 kWh | 53,63 % | 8.900 € |
| Maximale lokale Energienutzung | 3,15 kWp | 17,5 kWh | 63,69 % | 14.900 € |
| Kurze Amortisationszeit | 9,90 kWp | 7,5 kWh | 68,56 % | 15.000 € |
| Hohe Autarkie | 11,70 kWp | 22,5 kWh | 92,97 % | 25.400 € |
Diese Zahlen sind ein gekennzeichnetes Modellbeispiel für diesen einen Haushalt und keine allgemeinen Ergebnisversprechen oder Kundendurchschnittswerte.
perfectPV bestimmt für jedes Ziel zunächst den mathematischen Bestwert und wählt daraus eine praxisnahe Hauptempfehlung nahe an diesem Bestwert. Der exakte Zielbestwert bleibt im Bericht als transparente Vergleichsoption sichtbar.
Häufige Fragen
„90 % Eigenverbrauch heißt, ich bin fast unabhängig vom Netz." Stimmt das?
Nein. Eine sehr hohe Eigenverbrauchsquote kann auch bedeuten, dass die Anlage schlicht klein ist und ihr gesamter Ertrag direkt verbraucht wird – während der Großteil des Haushaltsstroms weiterhin aus dem Netz kommt. Für die Frage der Unabhängigkeit ist der Autarkiegrad die richtige Kennzahl.
Ist 100 % Autarkie ein sinnvolles Ziel?
Vollständige Autarkie ist für netzgekoppelte Anlagen in der Praxis kaum erreichbar und wirtschaftlich meist nicht sinnvoll. Vor allem im Winter reicht die Erzeugung typischerweise nicht aus, um den Verbrauch zu decken – unabhängig von der Speichergröße.